Solidarität mit der Waldbesetzung „Nimmerland“ gegen die A20

Ausblick von der Plattform auf den besetzen Wald in Garnholt. Foto: Nimmerland auf Twitter

Wir erklären uns solidarisch mit der Waldbesetzung „Nimmerland“ in Garnholt, die seit dem 25.11 steht. „Nimmerland“ ist über die August-Lauw-Straße 6 in 26655 Westerstede zu erreichen. Im folgenden möchten wir die erste Pressemitteilung der Besetzung dokumentieren:

„A 20 Stoppen – Der Garnholter Wald bei Westerstede wurde besetzt 

„Die Ampelkoalition versagt bei der Verkehrswende – also nehmen wir sie selbst in die Hand.“ 

Aktivist*innen haben am Mittwochabend einen Moorwald auf der Trasse der geplanten A 20 im Ammerland besetzt. Mit Hängematten, Plattformen und Seilverbindungen in den Bäumen wollen sie verhindern, dass diese schon bald für den ersten Abschnitt des Autobahnneubaus gefällt werden könnten. Am Mittwoch stellten die Ampelparteien ihren Koalitionsvertrag vor. Mehr Klimaschutz und Gerechtigkeit soll er bringen. Doch laut den Autobahngegner*innen versage der Plan der kommenden Bundesregierung in entscheidenden Punkten und verstößt daher gegen das 1,5°-Limit. Ihr Hauptkritikpunkt: Der Absatz „Infrastruktur“ erteilt keine Absage an den Neubau von Autobahnen. Am „Bundesverkehrswegeplan 2030“, der 850 neue Autobahnkilometer in Deutschland vorsieht, solle festgehalten und in einem „Dialogprozess“ Umsetzungsprioritäten festgelegt werden. Für die Aktivist*innen ist klar: Kein einziger Kilometer neuer Autobahn darf mehr gebaut werden. Deswegen besetzten sie jetzt das Waldstück in Garnholt nahe Westerstede.

 ‘Die Ampelkoalition versagt bei der Verkehrswende – also nehmen wir sie selbst in die Hand. Die Parteien wissen, dass sie damit dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht gerecht werden. Sie nehmen so wissentlich die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen Menschen weltweit in Kauf. Uns zeigt das einmal mehr: Echte Klimagerechtigkeit muss auf der Straße, auf Bäumen – und in Mooren – erkämpft werden.’ ~ Sophie, Waldbesetzer*in


‘SPD, Grüne und FDP wollen Elektromobilität fördern. Unserer Meinung nach muss es mittelfristig ein Ende des individualisierten Autokapitalismus geben. Sofort fordern wir die Neustrukturierung des Transportsektors – runter von der Straße und rauf auf Schiene und Schiff.’ ~ Karl, Waldbesetzer*in

Die Moorautobahn A 20, die auf mehr als 200 Kilometern von Westerstede in Niedersachsen nach Bad Segeberg in Schleswig-Holstein führen soll, ist in den Fokus von Umwelt- und Klimaschützer*innen gerückt: Sie ist das größte, mit mindestens 6 Mrd. Euro Baukosten teuerste und durch den Verlauf durch Moor- und Marschgebiete auf 80% der Strecke klimaschädlichste Autobahnprojekt Deutschlands. Mit der Aktion wollen die Autobahngegner*innen die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Mooren und ihr Potential für den Klimaschutz lenken. Kein Ökosystem kann mehr CO2 aufnehmen als ein gesundes Feuchtgebiet, tatsächlich speichern Moore auf der gleichen Fläche 20-mal so viel CO2 wie Wälder. 

„Wir haben hier einen Moorwald besetzt, weil wir verhindern wollen, dass Tausende Tonnen Torf für den Bau dieser unnötigen Autobahn aus dem Boden geholt werden. Hier sollen die größten Kohlenstoffsenken Deutschlands zerstört und zubetoniert werden. Das ist Wahnsinn!“ ~ Lina, Waldbesetzer*in 

Ab dem 7. Dezember wird vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine Klage des BUND und Betroffenen gegen den ersten Bauabschnitt verhandelt. Sollte das Gericht dem Bau grünes Licht geben, könnten erste Rodungen Anfang kommenden Jahres beginnen. Die Aktivist*innen wollen bleiben.“